Gedichte

Hier finden Sie eine kleine Auswahl meiner Gedichte zum Lesen und Lauschen.

Bösands Jahresrückblick 2020



Ein neues Jahr! Der Böller knallt.
Und während Thunbergs Echo hallt:
How dare you!“, ist er groß, der Schock,
wenn da im schwarzen Pulversmog
in Krefelds Zoo der Affe stirbt,
weil’s Feuerwerk zur Waffe wird.

Doch seht in diesem trüben Mief
das Ganze auch mal positiv:
Der Pyro-Umsatz (zwar nicht Bio)
beträgt rund hundertzwanzig Mio!
Die Wirtschaft „boomt“, darauf entspannt
ein Gläschen Sekt, das löscht den Brand.

Was andernorts bedingt gelingt:
Australien brennt! Das Feuer zwingt
den Mensch, das Tier, den Regenwald
in ihre Knie - trotz Gegenhalt.
Ein halbes Jahr, dann kohlt es aus…

„Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“
kreischt nebenan der Promi-Vamp
im Trash-Tv, dem Dschungelcamp.
Wen juckt’s, wenn’s dort am Lodern ist,
solang’ der Deutsche Hoden frisst!

In China steigt, mein lieber Spahn,
im Ort Wuhan im Fieberwahn,
empor sie sich, die große Farce,
des „Made in china“-Keimes SARS,
bricht sich in einem Rahm aus Tran
als neu-mutierter Virus Bahn.

Ein Fischmarkt setzt sich im Verlauf,
als Ursprungsort die Krone auf.
So wird aus dieser - ha … hatschi! -
aus dieser Epi- Pandemie,
erreicht fast jeden Erdenfleck -
der Menschheit bleibt die Spucke weg.

Ja, schon rollt sie auf die Schnelle,
an, die erste Virus-Welle!
Masken? Nein! … Äh… oder doch?
Spreche zu uns, Robert Koch!
Und er lehrt uns in der Krise
schlicht: AHA heißt die Devise.
Take on me!’, damit du’s lernst,
meint auch Merkel: „Es ist ernst!“

Und so fährt der Staat dann eben
das gesellschaftliche Leben,
sorgenvoll und gar nicht munter,
auf ein Minimum hinunter.
Restaurants, Cafés und Bars,
Kirchen, Kinos - tja, das war’s.
Schauspielhäuser öffnen nicht,
Schulen, Kitas - alles dicht.
Sportevents, Konzerte, Messen -
aufgeschoben, nicht vergessen.
Und das neue heiße Ding:
nennt sich ‚social distancing’!

Das die Vehemenz und Hast
des Moments nicht jedem passt,
das erklärt sich in den Zeiten
nebulöser Unklarheiten,
fast von selbst und bald erheben
Wesen sich zu neuem Leben.

Seht, wie sie in Foren siechen,
aus den Reddit-Höhlen kriechen.
sich von wirren Threads ernähren,
und mit Memes und Gif’s vermehren.
Und so formt sich aus der Sitsche,
dieser 4chan-Urschlamm-Klitsche,
ein veganer Aufbegehrer,
ein Trojaner, Aufbeschwörer
und er prophezeit behände,
die reale Pfannenwende!
Viele finden diese richtig,
halten, was er sagt, für wichtig,
eignen sich sein Meinungsbild an. -
Attila Klaus Peter Hildmann -
das wird klar, in diesem Mief -
sucht ganz offensichtlich Beef.

Es ist stets das gleiche Muster
und so schließen sich illuster,
nicht allein der kleine Mann,
oder BILD-Reporter an,
nein, mit größter Vehemenz,
folgt schon bald auch Prominenz.

Und die spricht in Fantasien
von Verschwörungstheorien,
und von denen, die ‚da oben‘,
stets das Beste nur geloben,
doch uns eigentlich beschränken
und die unser Denken lenken.

Sido, Schweiger, Wendler wähnen
sich im Recht und bittre Tränen
weint auch Xavier Naidoo. Wahrheit!
Das ist, was sie suchen, Klarheit!

So berichten sie von Zwängen,
Kinderblut, versteckten Gängen,
von Geheimregierungsrängen,
die sich dann QAnon nennen,
satanistischen Eliten,
und brutalen Folter-Riten.

Ihre Reden treiben Blüten,
Menschen, die mit Alu-Hüten
auf dem Kopf auf Demos wüten,
propagieren krude Mythen:
von Bill Gates, dem bösen Lenker
Donald Trump, dem großen Denker,
von den Flüchtlings-Parasiten
und 5G-Netz-Satelliten,
von den Chemtrails in den Lüften,
mit dem Ziel uns zu vergiften,
von der flachen Scheiben-Erde,
von der zwangsgeimpften Herde,
von Deep State und Merkel-Hate,
Telegram und Pizzagate.
Und den Gegnern, diesen Pfosten,
also Kekulé und Drosten,
oder Merkel und Kollegen
oder eben meinetwegen
allen diesen dreisten, Frechen,
die dem Blödsinn widersprechen,
oder ihn sogar verwegen,
wissenschaftlich widerlegen -
denen werden sie es zeigen
und mal schön die Meinung geigen.

„Lügenpresse! Lügenpresse!
Nehmt die Stäbchen aus der Fresse!
Wir sind hier, um ‚Quer zu denken‘
Schilder hin- und herzuschwenken!
Wir sind ‚lost‘! Uns platzt der Kragen!
Zwingt uns erst zum Masken tragen,
schränkt uns ein im schlimmsten Maße,
nehmt uns dann die Lindenstraße,
nötigt uns zum Kassenbon
und zum Klatschen vom Balkon
schließt die Fußballstadien,
Merkel? Ja, wo war sie denn? -
Stapelte voll Propa-Gier,
im Kanzleramt das Klopapier!“

Und drüben in Amerika?
Regiert solch ein Choleriker,
der erst das Virus niedermacht,
darauf in tiefster Niedertracht
das Masken-Tragen ignoriert
und - hoppala - sich infiziert.

Doch kein Pardon, an Tage drei
ist’s mit der Grabesruh’ vorbei
und Trump ruft: „Höret her, ihr Jünger:
Trinket Spüli! Gurgelt Dünger!
Gehet hin und seid nicht dumm,
spritzt Euch Antiseptikum,
das euch vor dem Keim bewahre,
dies verjüngt euch 20 Jahre!
Glaubt nicht diesen Scharlatanen,
Beautiful! Amazing! Amen!“

Weg vom Comeback, zum Abschiedsschmerz!
Ne, kleiner Scherz (wie Friedrich Merz),
weil die EU nur müde lacht,
wenn England nun die Düse macht.
Und Johnson kräht im sturen Trubel
als Donald Trump-Frisuren-Double:
„Wir sind besonders, wir … äh… Dings…
wir zahlen Pfund, wir fahren links,
wir messen Abstände in Fuß,
wir essen Schafsgedärm als Mus,
wir haben eine Monarchie…
War nett mit euch, doch ‚Let it be’.

Gleichwohl der Adel liegt im Clinch,
die Senior-Royals watchen binge.
Meg und Harry, lassen Taten,
sprechen, ziehen in die Staaten.
Statt zu lächeln, brav zu winken,
zu posieren, Tee zu trinken,
mit Erlauchten und Marquisen,
skipt man flink zum Streaming-Riesen,
um, anstatt bloß nett zu knicksen,
auf dem Sofa net zu flixen.
Zeit, das man sich Ziele setzt:
„Schatz, wir produzieren jetzt!“
*Spoiler on*: die Ambitionen
bringen schnell ein paar Millionen
und der Trend: man bleibt solvent.
*Spoiler off*: ein Happy End!

Selbes Land, doch andrer Ort.
Name: Floyd. Sein Schicksal: Mord.
Wie sie sich hernieder bücken,
ihm auf seine Glieder drücken,
ihm den Hals zusammenschnüren,
um ein Machtgefühl zu spüren,
zwischen Teer und Bordsteinkanten
und den Bitten von Passanten
(die an Recht und Ordnung glauben),
ihm nicht seine Luft zu rauben.
Die sein Flehen ignorieren,
ihn zu Vieren nur taxieren,
„I can’t breath!“ ihn stöhnen lassen,
bis die Geister ihn verlassen.

Und die Täter? Vier Rassisten
(korrigiere: Polizisten),
im Gefecht aus Blut und Mut
zwischen Recht, Statut und Wut,
in der Schlacht aus Macht und Schweiß -
Floyd ist schwarz, die Cops sind weiß.

In den Online-Hashtag-Charts,
posten alle einmal: Schwarz.
Schade, das man nicht auch hier,
wie bei einem Kasten Bier,
Wälder schützt für Kistenpfand
(waren die nicht abgebrannt?),
sich besäuft und damit dann
Toleranzen pflanzen kann.

Zwanzig Zwanzig, so kann’s gehen:
endlich wird mal Schwarz gesehen!
In den Städten: große Letter,
Menschen, die für ‚Black lives matter
und für BIPoC’s aufmarschieren,
die für Gleichheit demonstrieren,
Polizeigewalt verachten
und dafür in Straßenschlachten
gleich mit Wasserspritzen-Riegen
was auf ihre Mützen kriegen.

Ja, es streiten sich Gelehrte:
Was ein Jahr der falschen Fährte,
das uns so gesetzte Werte,
bis ins Gegenteil verkehrte!
Irgendwas läuft nicht mehr richtig,
Wichtiges wird null und nichtig,
Fakt und Lüge, Truth und Bots,
mixen sich, wie Smoothie-Shots.

Kanye West, der Musikant,
buhlt ums Präsidentenamt.
Kanye West, der Millionär,
sagt, nu will er doch nicht mehr.

Masken-Gegner lamentieren,
während sie Protest-Marschieren
und sich nicht an Nazi-Chören,
oder rechten Flaggen stören.
Ups, da hat man kurzerhand
fast den Reichstag umgerannt.

Schön bequem in dem Schlamassel
macht es Jana sich, aus Kassel,
Durch ihr anstandsloses Posen,
droht das Welken weißer Rosen.

Polizei, du Freund und Helfer,
warst du früher unser Stellver-
treter von Recht und Gesetz,
hetzt du heut in rechten Chats.
Sendest animierte, süße
Schäferhündchen, Hitlergrüße,
dort ein Hakenkreuzchen-Bild,
hier der Adler - halb so wild.
Richtig ernst meint ihr das nicht -
JJ, ROFL, Lachgesicht!

Zwischen Tweets, Faschisten-Klicks
schickt der Wendler Penis-Pics.
(hat Euch das jetzt rausgebracht?
ich habs mir nicht ausgedacht!…)

Doch bei all dem Grausigen,
wie wär’s mit etwas Flauschigem?
Der Hamster - ihn erheben wir,
zum Covid-19-Ehrentier!
Weil uns dieser hochverehrte
Nager neuen Werte lehrte:

Bunkert Nudeln, Büchsenbier,
Seife, sowie Klopapier!
Rafft auch Sagrotan und Weizen,
braucht mit Broten nicht zu geizen.
Hortet Hefe und Panier-
mehl und nochmals Klopapier!
Das ihr erst zu Beißen habt,
nachher was zum Scheißen habt!“
Danke, Hamster, wir verehren
dich für Deine weisen Lehren!

Und die trivialen BOOMER?
Sind nun digitale ZOOMER! -
Bücherwände noch und nöcher,
abgrundtiefe Nasenlöcher.
Ahnt, was unter sogenannten
Schreibtischplattenunterkanten,
abgedrängt und eingezwängt,
unter den Krawatten hängt:

Karg-bestückte working spaces,
stark-missglückte twerking places -
dies sind nun die schlaffen Waffen,
derer, die Zuhause schaffen:
Journalisten, Volksvertreter,
Lehrer oder Doktorväter,
können in den Konferenzen
fortan mit Potenzen glänzen,
ganz egal, ob arm, ob reich -
vor der Cam sind alle gleich!

Ein Blick rüber in die Staaten,
hin zum großen Unsympathen.
Dieser keift, wie immer, spröde:
„Eigentlich ist alles blöde!:
Meryl Streep, die Demokraten,
unbeugsame Bundesstaaten,
Menschen, die mein Land verraten
und geleakte Steuerdaten,
allgemein das Steuerwesen,
Alec Baldwin, die Chinesen,
und die Deutschen sowieso,
die Franzosen, WHO,
generelle Grabsch-Verbote,
Vatikan und Flüchtlingsboote,
Mauergegner, Mexikaner,
auch die Clintons und Obama,
Fakten, Wahrheit und Belehrung,
ausgewogene Ernährung,
Stephen King und Wahlsysteme
CNN, Moral-Probleme,
all die Foltergegner-Schufte,
nur mich selbst - mich find ich dufte.

Attention please! Fast ein Jahrzehnt,
von Überfliegern lang ersehnt,
eröffnet in Berlin auch schon,
die heißbegehrte Flugstation.
So manch Gelehrter wähnte gleich,
das Ganze als Schildbürgerstreich,
doch dann kam raus, im neunten Lenz:
es nennt sich schlicht: Inkompetenz.

Und wie man schon nach Oben steigt,
wird auf dem Boden noch gestreikt.
Kein Grad weiter!“ alarmieren
Demonstranten und skandieren,
gegen Rodung, Straßenbau,
Omma, diese Umweltsau -
doch ersticken Ambitionen
in den Abgasemissionen.

Dicke Luft herrscht auch in Russland
denn man nimmt nicht grad mit Kusshand
die Regierungskritikaster -
die mag Putin nicht - die hasst er.
So zum Beispiel diesen hier,
der dem Russenkrawallier,
schon so manchen Plan vergällte,
weil er ihm ein Beinchen stellte:

In Nawalny, einer derer,
dieser miesen Aufbegehrer,
einem fiesen Advokaten,
war nun Gift hineingeraten.

Sowas kann im dicht verschneiten
Land begrenzter Möglichkeiten
durchaus jenen mal passieren,
die nicht staatsgetreu parieren.
So lag er im Koma schwach,
wochenlang, dann wurd’ er wach.
Wie das nun vonstatten ging?
Wie da was zusammenhing?
Das vermag kein Mensch zu sagen -
doch es mag auch keiner fragen

Auch Olympia hat’s erwischt,
und die Fackel, sie erlischt,
welche die althergebrachten
Griechen zum Entflammen brachten.

Dort im Lager Moria,
fern von Glanz und Gloria,
wo auf Lesbos sich seit Jahren
nur die ärmsten Seelen scharen
(zwischenzeitlich Zwanzigtausend
zwischen Exkrementen hausend),
in Verschlägen unter Planen
und von einem Leben ahnen,
ohne Angst und Not und Leid,
aber schlicht mit Menschlichkeit,
dort verschlingt im trüben Dunst
sie die schlimmste Feuersbrunst.

Und sie kauern auf der Erde,
fern von dem, was War und Werde,
zwischen Abfall, Ruß und Steinen,
hört man kleine Kinder weinen,
hört man kranke Menschen greinen
und aus ihren Augen scheinen,
Flammen wider, wirre Grenzen,
unterdrückte Existenzen,
Egoismus, Flucht und Gier -
Das ist Europa! Das sind wir!

Überblendung / Mensch, wie finster!
Holt die Chips zum Tatort Münster. /
Mach es gut, Jan Hofer, tschau. /
Schlussmusik der Tagesschau. /
Thiel und Boerne sind der Renner!
Diese alten, weißen Männer
schnappen wirklich alle Killer,
ach, wir lieben diese Thriller
gut, dass alles Illusion ist,
dass das alles nur Fiktion ist.

Das auch Dieter Nuhr Fiktion ist,
äh, ich meine voller Hohn ist,
ja, das haben wir beklommen,
zwischenzeitlich mitbekommen.

Wie wir uns mit Wonne ahlen
in des Sommers Sonnenstrahlen,
dort am Strand von Norderney,
zwischen String und Arschgeweih
(denn der Deutsche mag mitnichten,
auf das Reisen ganz verzichten),
haben wir, scheints unterdessen,
all das Übel fast vergessen:

Kaliforniens Küste brennt,
Wirecard ist insolvent,
Morde in Paris und Trier -
es herrscht Trauer, dort, wie hier.

Tönnies macht die Schotten dicht,
deutscher Staat verschuldet sich,
bindet fleißig Hilfspakete
nach der großen Ischgl-Fete

In den Staaten wirbt nasal,
Donald Trump für Wiederwahl
Doch am Ende, da entscheiden,
sich die Wähler dann für Biden.
Wobei Trump nur wütend twittert
und in allem Lügen wittert,
von Betrügereien jammert
sich an seinen Schreibtisch klammert.
Räumt er seinen Platz für Biden? -
Einundzwanzig wird es zeigen…

Kommen nun die guten Geister?
FC Bayern: deutscher Meister!
Oder ist das nur ein öder
Unfug aus dem Lande Söder?
Dürfen wir uns zugestehen,
wieder positiv zu sehen?

Erst mal nicht, denn auf die Schnelle,
rollt die zweite Virus-Welle
auf uns zu, doch wir sind keck -
schauen einfach arglos weg…
Doch das Ignorieren rächt sich,
denn die Welle ist beträchtlich.
Und die Vorbereitung: schlecht.
Hatte Drosten also recht,
als er im April schon ahnte,
was noch folgt und uns ermahnte?

Und nun sind Gesundheitsämter,
sowie Job- und Fitnesscenter,
Schulen oder Kindergärten
überlastet und Experten
suchen rasch ein paar Systeme
zum Beheben der Probleme.

Das Ergebnis lautet dann:
Fenster auf und Jacken an!
In die Hände klatschen und
Knie beugen, hält gesund!
Dies ist die Essenz des Krisen-
rates und der Expertisen
und ein Tipp für unsre Jungend,
auf dem Trimm-Dich-Pfad der Tugend!

Jetzt kann uns nur eines retten!
Glühwein und B12-Tabletten?
Nein, verdammt noch mal, besinnt
euch, nun kommt das Christuskind!
Und was hat es im Gepäck?
Spritz-Gebäck von Biontech!
Heißa, es ist Weihnachtszeit!
Pfizer bringt uns Einigkeit!
Oh, wie wir uns an den Gaben
unterm Weihnachtsbaum erlaben,
(fraglos kommt zu Laschets Güte
nur ein Gutschein in die Tüte)
ja, so macht das Leben Sinn -
Wohlstand bleibt der Hauptgewinn.

Doch wir haben auch verloren…
Engel an den Himmelstoren,
müssen sich vor Lachen stützen
wenn der Fips mit flachen Witzen
um sich schmeißt, wie Kobe Bryant,
Basketbälle, eng vereint,
mit der ‚Gottes Hand‘, Madonna,
oder war es Maradona?
Oder Thooor? Ach, beim Teutates!
Dieses Jahr, es war ein hartes.

Uderzo, wir danken Dir.
Tinten-Kindheit auf Papier.
Tausend Sätze voller X.

Danke auch für all die Gigs
Mr. Horn und Mr. Schneider
wir vergessen niemals beider,
die uns so unsterblich schienen -
404 der Mensch-Maschinen.

Mr. Douglas, we are sad.
Feuerstein, the walking MAD,
hörst du Alfred Neumann kichern?
Danke, Blüm, für’s Renten-Sichern.

Remo Largo, Pausewang,
Christo, der zu Pausen zwang,
als er unsre überfüllte
Welt in schlichte Tülle hüllte.

Cineasten, Bücherleser,
wir erheben unsre Gläser,
sind erschüttert, dies gebührt,
Connery - wir sind gerührt.
Danke, Dall, für all Dein Scherzen,
immer trocken, doch von Herzen.

Terry Jones, wir bleiben Fan!
Spam, Spam, Spam, Spam, Spam, Spam, Spam!
Morricones Noten schweben,
durch die Luft im Garten Eden
und er spielt, wenn auch ergeben,
uns das Lied vom kurzen Leben.

Liebes Jahr, du warst, bescheiden
ausgedrückt, nicht zu beneiden.
Du warst wirklich mega cringe,
du lagst dauerhaft im clinch,
mehr so „Sommerhaus der Stars“
ziemlich unbeliebt, wie SARS,
eher raus, wie Heiko Maas,
ziemlich dicht, wie Clubs und Bars,
im Prinzip ging diese Schose,
ganz gewaltig in die Hose!
Ja, ok, du gingst viral,
doch bleibst trotzdem eine Qual.

Liebes Jahr, wir lassen wissen,
du warst - kurz gesagt - beschissen!
Mehr zum dissen, denn vermissen,
also nimm, was war, beflissen,
reflektier es und bereu’ es
und dann rufe: Frohes Neues!

MRB 8411 (rolling home)



Im Regioexpress nach Mainz,
da fühlt der Mensch sich wie daheim,
dort bleibt das Seine stets noch Seins,
hier darf der Mensch noch menschlich sein.

Im Regioexpress nach Mainz,
trinkt man noch Bier aus Dosen,
hier lümmeln sich noch Ulf und Heinz,
in grauen Jogginghosen.

Im Regioexpress nach Mainz,
trägt man noch pinke Strähnen,
im Schattenlicht des wilden Weins,
fletscht man das Maul zum Gähnen.

Im Regioexpress nach Mainz,
dort hüpft man auf den Sitzen,
es bringt das Warm des Sonnenscheins,
den Fastfoodmüll zum schwitzen.

Im Regioexpress nach Mainz,
trifft man sich gern in Cliquen,
im Glitzerschein des ruhigen Rheins,
spricht man getrost vom Ficken.

Im Regioexpress nach Mainz,
dort lässt sich prima reim’,
im MRB 8411,
fühlt man sich wie daheim.



Hilfsbereit



Ich bin immer hilfsbereit.
Jeder der um Hilfe schreit,
weiß dass ich nach kurzer Weile,
pflichtbewusst zu Hilfe eile.
Selbst wenn einer nicht drum bittet,
bin ich Willens und gesittet,
ihm mit Mitleid zu begegnen,
und mit Hilfe reich zu segnen.
Ja das Helfen ist wahrhaftig,
eine Tugend rein und saftig,
eine wahre Freudenquelle,
denn es kann auf alle Fälle,
wie ansonsten kaum im Leben,
immer nur Gewinner geben.
Denn ich stille nebenbei,
auch den eignen Hilfeschrei,
der gelobten Namensnennung,
den nach Dank und Anerkennung,
außerdem nehm’ ich gern hin,
welch ein toller Kerl ich bin.
Wer das nicht so sieht, der ist,
widerwärtiger Narzisst,
dem ist trotz erteilter Gnade,
echt nicht mehr zu helfen.
Schade.



Der Strommast



Ein Holzmast stand auf weiter Flur,
er machte nichts, er stand dort nur.
Tat unbewegt die Gegend zieren,
um uns den Strom zu transportieren.
Er tat nicht reden, weinen, lachen,
was soll man schon als Strommast machen?

Da sah er sich verwundert um.
Es kribbelte ihn unten rum.
Er schaute rasch an sich hinunter,
dort wuselten Termiten munter,
welche sich zu Masten-Lasten,
in Hast mit seinem Mast befassten.

Und er, der nicht ans Fallen dachte,
brüllte „Sachte!“, als es krachte.
So lag der Mast auf weiter Flur,
er machte nichts, er lag dort nur,
und sorgte niemals mehr für Watt.
Dafür warn die Termiten satt.



Täuschung der Natur



Wenn sich die Ringelnatter reckt,
den Körper ganz nach oben streckt,
und sich im Schattenlicht der Nacht,
ganz schwer und noch viel breiter macht,
wenn Wind den Nebel grau verweht,
die Natter matt im Mondlicht steht,
ein Regenschauer still verwischt,
in Schnüren dieses Bild vermischt,

und wir als stille Nachtgestalten,
die Hände uns vor Augen halten,
und sie ganz fest zusammendrücken,
dicht bis an die Schlange rücken,
und das Tier von Stolz geschwellt,
sich so wie aufgestellt verhält,
dann gleicht die Ringelnatter, vorn,
erschreckend stark dem Matterhorn!



Bösands Jahresrückblick 2012



Es beklagt die Bundesspitze:
“Eine kleine Zaster-Spritze
wird ja wohl genehmigt sein?!“
Vater Staat meint: leider nein.
Chris und Betti weichen edel
aus dem Haus in Großburgwedel
und der BILD-Gelehrte winkt.

Kreuzfahrtdampfer leckt und sinkt,
was auch Tote mit sich bringt.
Hier hilft auch kein S.O.S. –
macht dem Käpt’n den Prozess.

Ja, mit Recht ist nicht zu spaßen.
Acta lockt uns auf die Straßen,
weg vom fiesen Web ins Freie,
dass man „Bin dagegen!“ schreie.

Russen-Pussys singen lieber
Anti-Putin-Demo-Lieder,
doch bald pfeifen diese Flittchen,
bloß „Kalinka“ noch im Kittchen.

Ihre Lage: festgefahren.
Kann Jan Ullrich Ehre wahren?
Nein, er schleift mit platten Reifen
übern matten Seitenstreifen,
dass er in die Hölle fahre!
Schluss mit „Doping für die Haare“,
Richter spricht den Ullrich schuldig!

Nur Europa bleibt geduldig.
Öffnet, so wie Mary Poppins,
seine Schirme, alle hopp ins,
warme, weiche und liquide
Euro-Boot, denn hier herrscht Friede.

Und die Götter? Oh, sie wüten!
Die verdrängten Drachme-Mythen,
diese dreisten Drohgebärden,
scheinen nun Gewahr zu werden.
Unter griechischem Geheule
schwingt das Land die Nazi-Keule.
Geiz scheint nur in Deutschland geil,
Merkel wird die Schuld zuteil.

Schweigen ist mitunter Gold...
Hollywood dagegen zollt
dieser Weisheit ihr Tribut
und verleiht nun wohlgemut
einem stummen Film mit Kläffer
fünf mal Gold – ein voller Treffer!
In Toulouse wird scharf geschossen,
und Total guckt leicht begossen,
weil ein Bohrloch Gas versprießt
und das Leck den Ruf vermiest.
Was, wenn sich das rumerzählt?
Guckt mal, dort wird Gauck gewählt!

Preist den elften Präsidenten
Gab’s ne Wahl und Kontrahenten?
Quatsch, so etwas regelt smart,
man auf harte Ostblock-Art:

Putin mogelt, trotz Gestänker,
sich erneut zum Landes-Lenker.
Günter Grass veröffentlicht
nebenher ein Quatschgedicht.

In New York kommt, 1, 2, 3,
der vermutlich letzte Schrei,
Edvard Munch’s für Geld und Gunst
untern Hammer – das ist Kunst!

Sarkozy lässt, nicht mehr munter,
nun die letzte Hose runter
und muss müde gratulieren,
will schon wieder erigieren
(ups, verschrieben, kann passieren)
denn Hollande will... äh ... regieren.

Merkel schmeißt nach Lehrer-Sitte
Röttgen raus – der nächste Bitte.
Richtung Abschluss geht der Trend,
Schleckermann ist insolvent.

Facebook aber hat’s kapiert,
kontrolliert uns und kassiert
nun auch an der Börse – strike!
Zuckerberg klickt keck „I like!

Gibt’s noch Tradition und Sitten?
Selbstverständlich: in Great Britain.
Glückwunsch, Mam, zu 60 Jahren!
Seht, da wird schon mit Fanfaren
jene Fackel stolz entflammt
und mit ihr durch’s Land gerannt.

Um mit hunderttausend Leuten,
nun die Spiele einzuläuten,
hopst die Queen, den Vögeln gleich,
mit James Bond aufs Königreich.

Bitte mehr solch taffe Taten!
Ein Blick rüber auf die Staaten.
Gegenspieler Romney kichert:
„Offensichtlich Zwangsversichert“,
doch Obama übergeht ihn,
bleibt im Amt und übersteht ihn.

Deutschland schachert um Organe,
Amis pushen Sex-Romane,
Peitschen, Lack- und Lederkleidung,
nur Tom Cruise steht mehr auf Scheidung.

Markenmacht und Schotter-Gier?
Red Bull schließt das Helmvisier
und schon siegt der Basti, Vettel
Gegen Rot im letzten Battle.
Red Bull schließt den Werbe-Bügel
und verleiht Baumgartner Flügel.
Mutig ist er, Felix heißt er,
Spanien wird Europameister.

Lanz schlüpft in den Gottschalk-Schuh,
doch kriegt nicht die Senkel zu.
Berlusconi: Einzelhaft,
Kate und William: Schwangerschaft,
Hilfe! Kate ist plötzlich schlecht!
Hatten doch die Maya recht?
Rheinland-Pfalz ruft: „Bye, bye, Beck!“,
18 Jahre, weg vom Fleck.

Ebenfalls zurückgetreten,
sind, wenngleich auch ungebeten,
Doktor Sommer, Donna Summer,
„Hot Stuff“ war der Oberhammer.
Wir sind für ihr Schaffen dankbar,
Hagmann, Struck und Ravi Shankar.
Houston singt den letzten Hit,
Armstrong macht den letzten Schritt.
Niemals warn die Hüften steif,
Robin Gibb will stay alive
und Dirk Bach macht Schluss mit Scherzen,
heiße Weihnacht wärmt die Herzen.

Liebes Jahr, es gab auch Gutes,
nimm das Schlechte kühnen Mutes,
reflektier es und bereu es
und dann rufe: frohes Neues!