Gedichte

Hier finden Sie eine kleine Auswahl meiner Gedichte zum Lesen und Lauschen.

Bösands Jahresrückblick 2012



Es beklagt die Bundesspitze:
“Eine kleine Zaster-Spritze
wird ja wohl genehmigt sein?!“
Vater Staat meint: leider nein.
Chris und Betti weichen edel
aus dem Haus in Großburgwedel
und der BILD-Gelehrte winkt.

Kreuzfahrtdampfer leckt und sinkt,
was auch Tote mit sich bringt.
Hier hilft auch kein S.O.S. –
macht dem Käpt’n den Prozess.

Ja, mit Recht ist nicht zu spaßen.
Acta lockt uns auf die Straßen,
weg vom fiesen Web ins Freie,
dass man „Bin dagegen!“ schreie.

Russen-Pussys singen lieber
Anti-Putin-Demo-Lieder,
doch bald pfeifen diese Flittchen,
bloß „Kalinka“ noch im Kittchen.

Ihre Lage: festgefahren.
Kann Jan Ullrich Ehre wahren?
Nein, er schleift mit platten Reifen
übern matten Seitenstreifen,
dass er in die Hölle fahre!
Schluss mit „Doping für die Haare“,
Richter spricht den Ullrich schuldig!

Nur Europa bleibt geduldig.
Öffnet, so wie Mary Poppins,
seine Schirme, alle hopp ins,
warme, weiche und liquide
Euro-Boot, denn hier herrscht Friede.

Und die Götter? Oh, sie wüten!
Die verdrängten Drachme-Mythen,
diese dreisten Drohgebärden,
scheinen nun Gewahr zu werden.
Unter griechischem Geheule
schwingt das Land die Nazi-Keule.
Geiz scheint nur in Deutschland geil,
Merkel wird die Schuld zuteil.

Schweigen ist mitunter Gold...
Hollywood dagegen zollt
dieser Weisheit ihr Tribut
und verleiht nun wohlgemut
einem stummen Film mit Kläffer
fünf mal Gold – ein voller Treffer!
In Toulouse wird scharf geschossen,
und Total guckt leicht begossen,
weil ein Bohrloch Gas versprießt
und das Leck den Ruf vermiest.
Was, wenn sich das rumerzählt?
Guckt mal, dort wird Gauck gewählt!

Preist den elften Präsidenten
Gab’s ne Wahl und Kontrahenten?
Quatsch, so etwas regelt smart,
man auf harte Ostblock-Art:

Putin mogelt, trotz Gestänker,
sich erneut zum Landes-Lenker.
Günter Grass veröffentlicht
nebenher ein Quatschgedicht.

In New York kommt, 1, 2, 3,
der vermutlich letzte Schrei,
Edvard Munch’s für Geld und Gunst
untern Hammer – das ist Kunst!

Sarkozy lässt, nicht mehr munter,
nun die letzte Hose runter
und muss müde gratulieren,
will schon wieder erigieren
(ups, verschrieben, kann passieren)
denn Hollande will... äh ... regieren.

Merkel schmeißt nach Lehrer-Sitte
Röttgen raus – der nächste Bitte.
Richtung Abschluss geht der Trend,
Schleckermann ist insolvent.

Facebook aber hat’s kapiert,
kontrolliert uns und kassiert
nun auch an der Börse – strike!
Zuckerberg klickt keck „I like!

Gibt’s noch Tradition und Sitten?
Selbstverständlich: in Great Britain.
Glückwunsch, Mam, zu 60 Jahren!
Seht, da wird schon mit Fanfaren
jene Fackel stolz entflammt
und mit ihr durch’s Land gerannt.

Um mit hunderttausend Leuten,
nun die Spiele einzuläuten,
hopst die Queen, den Vögeln gleich,
mit James Bond aufs Königreich.

Bitte mehr solch taffe Taten!
Ein Blick rüber auf die Staaten.
Gegenspieler Romney kichert:
„Offensichtlich Zwangsversichert“,
doch Obama übergeht ihn,
bleibt im Amt und übersteht ihn.

Deutschland schachert um Organe,
Amis pushen Sex-Romane,
Peitschen, Lack- und Lederkleidung,
nur Tom Cruise steht mehr auf Scheidung.

Markenmacht und Schotter-Gier?
Red Bull schließt das Helmvisier
und schon siegt der Basti, Vettel
Gegen Rot im letzten Battle.
Red Bull schließt den Werbe-Bügel
und verleiht Baumgartner Flügel.
Mutig ist er, Felix heißt er,
Spanien wird Europameister.

Lanz schlüpft in den Gottschalk-Schuh,
doch kriegt nicht die Senkel zu.
Berlusconi: Einzelhaft,
Kate und William: Schwangerschaft,
Hilfe! Kate ist plötzlich schlecht!
Hatten doch die Maya recht?
Rheinland-Pfalz ruft: „Bye, bye, Beck!“,
18 Jahre, weg vom Fleck.

Ebenfalls zurückgetreten,
sind, wenngleich auch ungebeten,
Doktor Sommer, Donna Summer,
„Hot Stuff“ war der Oberhammer.
Wir sind für ihr Schaffen dankbar,
Hagmann, Struck und Ravi Shankar.
Houston singt den letzten Hit,
Armstrong macht den letzten Schritt.
Niemals warn die Hüften steif,
Robin Gibb will stay alive
und Dirk Bach macht Schluss mit Scherzen,
heiße Weihnacht wärmt die Herzen.

Liebes Jahr, es gab auch Gutes,
nimm das Schlechte kühnen Mutes,
reflektier es und bereu es
und dann rufe: frohes Neues!

MRB 8411 (rolling home)



Im Regioexpress nach Mainz,
da fühlt der Mensch sich wie daheim,
dort bleibt das Seine stets noch Seins,
hier darf der Mensch noch menschlich sein.

Im Regioexpress nach Mainz,
trinkt man noch Bier aus Dosen,
hier lümmeln sich noch Ulf und Heinz,
in grauen Jogginghosen.

Im Regioexpress nach Mainz,
trägt man noch pinke Strähnen,
im Schattenlicht des wilden Weins,
fletscht man das Maul zum Gähnen.

Im Regioexpress nach Mainz,
dort hüpft man auf den Sitzen,
es bringt das Warm des Sonnenscheins,
den Fastfoodmüll zum schwitzen.

Im Regioexpress nach Mainz,
trifft man sich gern in Cliquen,
im Glitzerschein des ruhigen Rheins,
spricht man getrost vom Ficken.

Im Regioexpress nach Mainz,
dort lässt sich prima reim’,
im MRB 8411,
fühlt man sich wie daheim.

Hilfsbereit



Ich bin immer hilfsbereit.
Jeder der um Hilfe schreit,
weiß dass ich nach kurzer Weile,
pflichtbewusst zu Hilfe eile.
Selbst wenn einer nicht drum bittet,
bin ich Willens und gesittet,
ihm mit Mitleid zu begegnen,
und mit Hilfe reich zu segnen.
Ja das Helfen ist wahrhaftig,
eine Tugend rein und saftig,
eine wahre Freudenquelle,
denn es kann auf alle Fälle,
wie ansonsten kaum im Leben,
immer nur Gewinner geben.
Denn ich stille nebenbei,
auch den eignen Hilfeschrei,
der gelobten Namensnennung,
den nach Dank und Anerkennung,
außerdem nehm’ ich gern hin,
welch ein toller Kerl ich bin.
Wer das nicht so sieht, der ist,
widerwärtiger Narzisst,
dem ist trotz erteilter Gnade,
echt nicht mehr zu helfen.
Schade.

Der Strommast



Ein Holzmast stand auf weiter Flur,
er machte nichts, er stand dort nur.
Tat unbewegt die Gegend zieren,
um uns den Strom zu transportieren.
Er tat nicht reden, weinen, lachen,
was soll man schon als Strommast machen?

Da sah er sich verwundert um.
Es kribbelte ihn unten rum.
Er schaute rasch an sich hinunter,
dort wuselten Termiten munter,
welche sich zu Masten-Lasten,
in Hast mit seinem Mast befassten.

Und er, der nicht ans Fallen dachte,
brüllte „Sachte!“, als es krachte.
So lag der Mast auf weiter Flur,
er machte nichts, er lag dort nur,
und sorgte niemals mehr für Watt.
Dafür warn die Termiten satt.

Täuschung der Natur



Wenn sich die Ringelnatter reckt,
den Körper ganz nach oben streckt,
und sich im Schattenlicht der Nacht,
ganz schwer und noch viel breiter macht,
wenn Wind den Nebel grau verweht,
die Natter matt im Mondlicht steht,
ein Regenschauer still verwischt,
in Schnüren dieses Bild vermischt,

und wir als stille Nachtgestalten,
die Hände uns vor Augen halten,
und sie ganz fest zusammendrücken,
dicht bis an die Schlange rücken,
und das Tier von Stolz geschwellt,
sich so wie aufgestellt verhält,
dann gleicht die Ringelnatter, vorn,
erschreckend stark dem Matterhorn!